London (www.tenbagger-report.de) – Über keinen DAX-Indexwert wird zurzeit heißer diskutiert als Wirecard (WKN: 747206). Heute kam der nächste Paukenschlag. Knut Woller, Analyst der Baader Bank, empfiehlt Anlegern den Kauf der Wirecard-Aktien, mit einem atemberaubenden Kursziel von 240 Euro.

Die negativen Aspekte, die den Kurs seit geraumer Zeit ausbremsen, seien laut Anlegerkreisen mittlerweile weitläufig bekannt, erfuhren wir aus exklusiven Gesprächen, mit Großanlegern. Doch wird hinter vorgehaltener Hand weiter von bestehenden Risiken des Asiengeschäfts und hier vor allem von China betont.

Im Raum stehen Ungereimtheiten bei der Generierung von Umsätzen, die von Drittparteien bzw. Partnern zu verantwortet waren, die sich im außereuropäischen Ausland, wie in Dubai befinden, was die lückenlose Aufklärung erschwert, ob diese Umsätze und Erträge stimmig waren.

Um die ständig aufkehrenden Gerüchte und Anschuldigungen zu beseitigen, wurde von Wirecard der Wirtschaftsprüfer KPMG mit einer Sonderprüfung beauftragt. Diese brachte am 28.4. keine eindeutige Entlastung, lieferte aber ebenso keine neuen Beweise. Daraufhin steuerte der Vorstand massiv gegen und hat in der letzten Woche erstmals einen kompletten Umbau des Managements beschlossen.

Die Bafin leitet derweil eine Untersuchung ein

Im Vorfeld – wir berichteten – waren offenbar von Unternehmensseite nur die positiven Aussagen des KPMG Sonderprüfberichtes “durchgesickert” und veröffentlicht worden. Angeblich auch auf einer wichtigen Investorenveranstaltung und diese zunächst als Entlastung eingestuften Infos, führten zu waghalsigen Kurssprüngen, die nun offenbar eine Bafin Untersuchung wegen Kursmanipulation nach sich ziehen:

„Sobald wir Anhaltspunkte dafür finden, werden wir unverzüglich Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft stellen“

sagte Elisabeth Roegele, Chefin der Bafin-Wertpapieraufsicht.

Die für Anleger, welche nun vor einer unmittelbaren Kauf- oder Verkaufsentscheidung der Aktie stehen, entscheidende Stelle in der Analyse der Baader Bank war sicher folgende:

Auch wenn das Geschäft der Wirecard AG mit Partnerunternehmen keinen Wert hätte (Worst-Cas-Szenario), sieht Herr Woller den fairen Wert für die Wirecard-Aktie „weit über dem aktuellen Kurs“.

Schreibt die IT-Times in ihrem Bericht.

Wirecard-Aktie sollte eigentlich ein Profiteur des Coronavirus sein

Eigentlich sollten Anleger beim Wachstumstrend für elektronische Zahlungsmittel massiv profitieren. Immerhin bietet das Unternehmen eine vor allem für Kleinunternehmer und Mittelständler beliebte Technologie, die dabei helfen, Kreditkartenzahlungen und Debitkartenzahlungen zu verarbeiten.

Wer als KMU jemals versucht hat seinen Kunden diese attraktiven Zahlungsmöglichkeiten anzubieten, weiß wie schwer es ist die hierfür nötigen technischen Voraussetzungen zu erfüllen, um alle Sicherheitsstandards zu erfüllen.

Deshalb wächst das Kerngeschäft von Wirecard rasant und das dürfte bei der letztlich optimistischen Kurszielbestimmung, welche die Baader Bank mit 240 Euro anzettelt, einen erheblichen Anteil ausmachen.

Doch mindestens eine strategische Schwachstelle trieft unseres Erachtens wie eine offene Wunde bei Wirecard. Das China Geschäft wird einerseits gleichzeitig durch vorherrschende Kapitalverkehrskontrollen und Regierungsauflagen behindert, andererseits stützen die Aktivitäten vor Wirecard, zur grenzübergreifenden bargeldlosen Bezahlung, die Möglichkeiten für Chinesen. Das China Geschäft bleibt ein zweischneidiges Schwert

Wirecard Tochter von der chinesischen Zentralbank bestraft

Während das China Geschäft zeigt Chinas Krieg gegen unerlaubte Online-Glücksspiele keine Anzeichen von Milde.

Am 29. April gab die People’s Bank of China (PBOC) bekannt, dass sie eine Strafe in Höhe von 65,9 Millionen RMB (9,3 Millionen US-Dollar) gegen Allscore Payment Service Co Ltd, einen in Peking ansässigen Prozessor, der zu 80% der deutschen Wirecard AG gehört, verhängt hat.

Die Nachrichtenagentur Caixin berichtete, dass Allscore bestraft wurde, weil es Transaktionen zwischen chinesischen Bürgern und Online-Glücksspielseiten mit Sitz außerhalb Chinas erleichtert habe. Zusätzlich zu der Geldstrafe beschlagnahmte die PBOC auch rund 50 Millionen RMB an Einnahmen, die Allscore aus diesen Transaktionen erzielte.

Der CEO von Allscore, Lin Yao, und der Risikomanager Zhang Yue wurden persönlich mit einer Geldstrafe in Höhe von 450.000 RMB bzw. 200.000 RMB für ihre Rolle bei diesen Machenschaften belangt. Beide Männer erhielten auch förmliche Verwarnungen, und Lin scheint sich aufgrund seiner Verbindungen zu früheren Razzien im Zusammenhang mit Glücksspielzahlungen wirklich auf dünnem Eis zu bewegen, berichten Medien in China

CEO Braun geht nicht aber James Freis kommt

Markus Braun, bisher CEO und Eigentümer von 7 Prozent der Wirecard-Aktien, mit einem Wert von 1,6 Milliarden Euro, der das Unternehmen von einem kleinen Nischenanbieter, zu einem Weltkonzern aufbaute, konnte zuletzt seine Kritiker trotz aller Versuche nicht überzeugen.

Jetzt entschloss er sich zur beschleunigten “Flucht nach vorne“. Er tritt zunächst nicht von seinem Posten als CEO, dem federführenden, hauptverantwortlichen Vorstandsvorsitzenden zurück. Wird aber das Tagesgeschäft eher dem COO überlassen und sich selbst mehr auf die strategische Ausrichtung konzentrieren.

Um die Glaubwürdigkeit seines Vorstandsteams zu untermauern, gelang es ihm mit James Freis einen neuen Compliance Vorstand zu requirieren.

James Freis ist ein US-amerikanischer Staatsbürger und Jurist soll den neuen Ressort “Integrity, Legal and Compliance” leiten und künftig sicherstellen, dass alle Wirecard Geschäfte nur noch “rechtsfromm” ablaufen. Er hatte zuletzt einen Posten im Direktorium der Deutsche Börse AG und war zuvor auch nicht weniger als sechs Jahre als Anwalt für die Federal Reserve Bank New York, der bekanntesten der zur US-Notenbank gehörenden Zweigstelle sowie

 „Der Lebenslauf ist beeindruckend“, sagte Stephane Houri vom Finanzhaus Oddo. Heike Pauls von der Commerzbank nannte Freis einen „Game Changer“.

schreibt das Handelsblatt in einer ersten Bewertung

Könnte übermorgen am 14. Mai die Stunde der Wahrheit schlagen?

Seine Quartalsergebnisse für das 1. Quartal 2020, wird das Unternehmen am 14. Mai veröffentlichen. Starke Ergebnisse dürften bei Wirecard nach allen vorliegenden Informationen, fast eine Formalität und Selbstverständlichkeit sein.

Insofern wird der neue Vorstand wohl alles unternehmen, um die Zahlen in ein gutes Licht zu rücken und die Zweifel zu beseitigen.

Im 4. Quartal 2019 wies man noch ein sattes Wachstum im Umsatz von 46 Prozent aus, bei einer saftigen operativen Gewinnmarge von 41 Prozent und einem anziehenden Geschäftsvolumen, das sich womöglich auch im 1. Quartal weiter fortgesetzt haben sollte. Durch den Coronavirus besteht zudem für das 2. Quartal sogar ein möglicher positiver Sonderfaktor, weil mehr Kunden zu Hause auf Internetbestellungen, Casinos oder Online-Spiele zurückgreifen.

Werden keine schlechten Überraschungen gemeldet, so hat der Kurs der Wirecard-Aktie gute Chancen, um Richtung 120 Euro zu steigen.

Doch wer mit der Vorlage endgültige Klarheit erhofft, dürfte enttäuscht werden. Denn mit dem 4. Juni steht mit der Veröffentlichung des Jahresabschluss 2019, der um weitere fünf Wochen verschoben wurde, die nächste Baustelle bevor.

Der nächste Termin, der für Furore sorgen könnte, wäre die Hauptversammlung, welche für den 2. Juli in München geplant ist. Für das vergangene Geschäftsjahr wurde vom Aufsichtsrat die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 0,20 Euro pro Aktie vorgeschlagen. Das entspricht einer Dividendenrendite von 0,2%.

Entscheidender dürfte aber zu diesem Termin sein, ob der für den 4. Juni vorgesehene Jahresabschluss 2019, vollständig und ohne Vorbehalte testiert wurde. Denn darauf baut im Wesentlichen die These der Bullen auf und wäre wohl auch die Grundlage für eine bei der HV zu beschließende Entlastung des Vorstandes. Aus vergangenen Erfahrungen heraus, besteht immer die Gefahr, dass es während einer derart populären HV durchaus zu “tumultartigen Auseinandersetzungen” zwischen den Aktionären, dem Aufsichtsrat und dem Vorstand kommen, die unterschiedlichste Interessen vertreten.

Eine besonders wichtige Rolle kommt bei dem HV-Termin, dem neuen Compliance Vorstand Dr. James H. Freis zugute, der hier viel zur Aufklärung und Beruhigung der Lage beitragen sollte.

Es ist einerseits der höchstmögliche Vertrauensbeweis, dass er das Wirecard Vorstandsteam ergänzt, andererseits könnte es ein Hinweis darauf sein, welche schwerwiegenden Aufgaben noch bevorstehen. Jedenfalls ist er ein ganz großer Faktor, der die Aktionäre veranlassen könnte, die nähere Zukunft sehr positiv zu bewerten.

Fazit – Aufspaltung könnte den Wert heben?

Unserer bescheidenen Meinung nach, wäre es am Ende vielleicht tatsächlich lukrativer einmal endgültig einen Schlussstrich unter die Ungereimtheiten zu ziehen und sich auf die Zukunft zu fokussieren. Um weitere Schwierigkeiten auszuschließen, wäre es eines Tages durchaus sinnvoll, wenn sich Wirecard vom China-Geschäft verabschieden würde. Es wäre wohl eine Möglichkeit den Wirecard-Konzern aufzuspalten oder wenigstens die indirekten Kanäle in China aufzulösen, indem man die gesammelten Geschäftsbeziehungen veräußert.

Wir sind überzeugt, dem Aktienkurs Kurs würde langfristig eine energische Ausrichtung auf die bestens regulierten Kernmärkte Europas und Nordamerikas sowie Asiens (Ex-China) und weiterhin möglicherweise sogar ohne die weitläufigen Aktivitäten im Mittleren Osten besser stehen, als das Festhalten an Wachstum um jeden Preis, in regulatorisch schwer zu greifenden und umstrittenen Märkten, die weiterhin das Vertrauen belasten dürften.

Knallharte Spekulanten ziehen jetzt einen Straddle ins Kalkül

Sie als Anleger müssen sich keinesfalls allein auf die Long- oder Short-These versteifen. Selbst wenn wir unter gewissen Voraussetzungen, dass die Hauptversammlung positiv aufgenommen wird, mit eher steigenden Kursen rechnen würden, die im Sommer bis Herbst durchaus in Richtung 150 bis 200 Euro reichen könnten.

Doch das Risiko bleibt bestehen, sofern ein erneutes Testat und weitreichende Prüfungen der Abschlüsse 2018 und 2019 benötigt würden, dass auch die Unterseite der möglichen Kursspanne zwischen 80-120 Euro getestet wird.

Im schlimmsten Fall drohen, bei einem sehr verhaltenen ausfallenden Testat 2019, mit entsprechend negativ unterlegten Satzbau, sogar Mehrjahrestiefs und Kurse um oder unter 50 Euro.

Optionsstrategien für pfiffige Vollprofi-Anleger

Pfiffige Profi-Spekulanten schließen beides niemals aus und wählen für die gewinnträchtige, risikooptimierte Strategie einen so genannten “Straddle”. Bei dieser Strategie kaufen Anleger, die entsprechende Erfahrungen und Wissen mit Optionen mitbringen, einen PUT mit einem Basispreis von höchstens 70 Euro und gleichzeitig einen CALL mit einem Basispreis von etwa 130 Euro. Beide Optionen könnten per Verfallstermin März 2021 gekauft werden. Der an der Eurex Börse zurzeit für 11 Euro direkt für Profihändler erwerbbare 130er Call scheint hierfür bestens geeignet. Weil zurzeit der Pessimismus überwiegt, sind Puts entsprechend relativ teurer. Hier wäre der 60er Put für 13 Euro relativ attraktiv.

Wer etwas bei den Laufzeiten variiert, könnte es auch vorziehen die Put-Absicherung mit kürzestmöglicher Laufzeit zu wählen. In der Erwartung, dass es bei einer länger anhaltenden Aufwärtsbewegung irgendwann keine Absicherung mehr bedarf, sondern diese vor allem für die unmittelbar nächsten heißen Wochen vor und nach dem HV-Termin sinnvoll wären.

Sie können entsprechende Eurex Optionen direkt hier finden oder sich alternativ bei den Emittenten der Optionsscheine bedienen und ein für Sie entsprechendes Szenario zurechtbiegen.

Wir betonen, dass der Kauf von Terminkontrakten wie Optionen, Hebelscheinen oder Optionsscheinen stets ein hochspekulatives Risikogeschäft ist, bei dem man den Einsatz verlieren kann. Ein Totalverlust ist hierbei immer möglich.

Es muss nicht immer Wirecard sein

Wir wissen, dass Wirecard hohe Kurschancen bietet. Aber langfristige Investoren, die sich am explosiven Wachstum des elektronischen Zahlungsmarktes profitieren möchten, sollten mindestens auch Positionen beim führenden Weltkonzernen für Internetzahlungen wie Mastercard, Visa, Paypal oder Adyen in Erwägung ziehen. Diese Weltmarktführer konnten sich, ebenso wie der historische Kurs von Wirecard, im Laufe der Zeit locker Verzehnfachen.

Interessenkonflikt 

Dieser Beitrag stellt eine Meinung des Autors dar. Geschäftspartner halten Aktien des besprochenen Unternehmens. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Geschäftspartner können die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – kaufen oder veräußern und könnten dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.

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Von Tenbagger

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