Wirecard (WKN: 747206) spannte seine Aktionäre und die Shortseller gestern bis zur letzten Sekunde auf die Folter.

Bei Hedgefonds, den Fondsmanager der deutschen Aktienfonds bei der DWS als auch bei Privatinvestoren konnten wir gestern buchstäblich eine Nadel fallen hören. Sie alle saßen wie gespannt vor den Geräten und warteten gespannt den angekündigten Abschlussbericht des Sonderprüfers KPMG, der nun endlich Klarheit bringen sollte.

Schlammschlacht zwischen Financial Times und Wirecard in der finalen Runde?

Bericht der in England ansässigen und vor allem renommierten Finanzzeitung Financial Times über Buchhaltungs- und Vertragsunregelmäßigkeiten begleiten das Unternehmen mittlerweile viele Monate.

Die Vorwürfe und vor allem die Diskussion wurden so heftig und laut geführt, dass das Unternehmen sich nicht mehr anders zu helfen wusste und eine Sonderprüfung in Auftrag gegeben hat. Diese erteilte Sonderprüfung hat bisweilen Geschmäckle, wie man in Schwabenländle zu sagen pflegt. Durchgeführt von KPMG, dem Haus, aus dem der jetzige CEO und Großaktionär Dr. Markus Braun kommt, soll in Auftrag des Unternehmens die Vorwürfe und Ungereimtheiten untersuchen. Nicht wirklich die beste Lösung, wenn man eine reine Weste vorzeigen möchte.

Besser wäre es gewesen, dass Unternehmen hätte auf einer außerordentlichen Hauptversammlung den Aktionären mehrere Wirtschaftsprüfer zur Auswahl gestellt und CEO Braun hätte sich bei dieser Abstimmung enthalten.

Wird KPMG-Bericht der große Befreiungsschlag?

Derzeit steigt der Aktienkurs trotz der Corona-Krise auf den höchsten Stand seit zwei Monaten und legt derzeit um gut 5% auf 134,82 Euro zu, mehr als 10 Euro über dem gestrigen Schlusskurs. Noch vor wenigen Tagen kämpfte die Aktie noch mit der 90-Euro-Marke. 

Mit der Veröffentlichung des KPMG Abschlussberichts, dürften heute jedenfalls zunächst die Sektkorken knallen, denn KPMG konnte offenbar keine Ungereimtheiten feststellen.

“Wirtschaftsprüfer von KPMG finden keine Hinweise auf gefälschte Bilanzen”

Newsflow App von CMC Markets

Das wurde vom den Markt zunächst positiv aufgenommen und gefeiert. Doch ganz so leicht Entwarnung geben, wollen wir nicht:

Zwar hätten die Wirtschaftsprüfer von KPMG bisher keine Hinweise auf Manipulationen bei Wirecard gefunden, doch die Sonderprüfung dauere offenbar an. Ergebnisse sollen also erst kommende Woche veröffentlicht werden, wenige Tage vor der Präsentation der Jahresbilanz.

heißt es im aktuellen Artikel bei Börse.ARD.de

Der Bezahldienstleister veröffentlicht in der kommenden Woche endgültige Zahlen für 2019 aber vorher, darauf warten wir alle, für heute avisierten abschließenden Prüfbericht der Wirtschaftsprüfer.

Sollte dieser positiv ausfallen und keine Zweifel offen bleiben, was nun immer wahrscheinlicher scheint, dann dürfte die Aktie massive Kursgewinne verzeichnen.

Wenn aber weiterhin auch nur ein Fünkchen Unsicherheit bestehen bleibt, dann dürften die Shortseller die Gunst der Stunde nutzen und die Aktie erneut ins Tiefe Tal der Tränen verweisen.

Wir sehen von einer Long- oder Short-Positionierung vor diesem Bericht ab.

Da könnten wir auch ins Casino gehen und unsere Einsätze auf Schwarz oder Rot legen. Alles ist möglich und am Ende kommt die grüne Null. Daher halten wir –Achtung Interessenskonflikt – derzeit weder die Aktie noch irgendwelche Derivate zu dieser Aktie.

Hinweis auf Interessenkonflikt

Dieser Beitrag stellt eine Meinung des Autors dar. Der Autor hält als Geschäftspartner des Herausgebers Aktien des besprochenen Unternehmens. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Geschäftspartner können die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – kaufen oder veräußern und könnten dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.

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Tenbagger

Von Tenbagger

Ein Gedanke zu „Wirecard: Aktienkurs zieht an – War das gestern durchgesickert?“

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