London (www.tenbagger-report.de) – Der britische Rohölkonzern Royal Dutch Shell (WKN: A0D94M) kürzt erstmals seit dem Ende des 2. Weltkriegs im Jahr 1945 seine Dividende um satte -66%. Daraufhin notiert die Aktie mit -8% bei 1362 Pence oder umgerechnet 15,81 Euro. In der Spitze notierte die Aktie bis gestern noch bei 17,50 Euro und vor einem Jahr wurden noch teils über 30 Euro für den Titel bezahlt.

Absturz beim Ölpreis lässt Umsätze und Gewinne taumeln

Hintergrund sind die abstürzenden Ölpreise im Zuge des gleichzeitigen Ausbruchs beim Coronavirus und dem Beginn des von Russland und Saudi Arabiens angezettelten Kriegs, um strategische Marktanteile im Ölsektor.

Die Umsätze gingen um 28% auf 60 Milliarden US-Dollar zurück, während ein Nettoverlust von 24 Millionen US-Dollar verbucht wurde.

Der von Shell eigens ausgewiesene, um einmalige Sondereffekte bereinigte Gewinn im 1. Quartal, das den hernach folgenden Ölpreiscrash nur leicht touchierte, brach im Vergleich zum Vorjahr von 5,3 auf 2,9 Mrd. US$ ein.

Das schlimmste kommt erst noch

Wer glaubt, dass dieser Einbruch ein Ausrutscher war, sollte die 2. Quartalszahlen lieber komplett ausblenden, denn der Öl-, Gas- und Benzinpreisverfall erreichte Ende April einen vorläufigen Höhepunkt, bei dem die US-Ölsorte WTI kurzzeitig negativ war und sich in Europa, die Raffineriemargen praktisch völlig im Nichts auflösten.

Das Management gab sich bei der Lagebesprechung heute entsprechend aussichtslos:

Angesichts der anhaltenden Verschlechterung der makroökonomischen Aussichten und der erheblichen mittel- und langfristigen Unsicherheit unternehmen wir weitere vorsichtige Schritte, um unsere Widerstandsfähigkeit zu stärken, die Stärke unserer Bilanz zu untermauern und die langfristige Wertschöpfung von Shell zu unterstützen.

Angesichts des Risikos einer längeren Periode wirtschaftlicher Ungewissheit, schwächerer Rohstoffpreise, höherer Volatilität und unsicherer Nachfrageaussichten ist der Vorstand der Ansicht, dass die Beibehaltung des derzeitigen Niveaus der Aktionärsausschüttungen nicht ratsam ist. Nach der Ankündigung, die nächste Tranche des Aktienrückkaufprogramms nicht fortzusetzen, hat der Verwaltungsrat auch beschlossen, die Dividende für das erste Quartal 2020 zu kürzen und auf 16 US-Cent pro Aktie zurückzusetzen.

Pressemeldung Shell.com

Analysten senken Prognosen

Die Shell-Aktie gehört sicher zu den am meisten beachteten Unternehmen weltweit und wird von mehr als zwei Dutzend Analysten bewertet.

Uneinigkeit herrscht hier in Bezug auf die Gewinnschätzungen, diese reichen von -0,08 bis 1,54 US$ pro Aktie, in diesem Jahr.

Mehrheitlich sprechen 10 Analysten eine Halteempfehlung aus, aber immerhin 6 Analysten bewerten die Aktie, aufgrund ihrer starken Marktstellung im Sektor, mit Outperform und 5 sehen sogar eine Möglichkeit zu Kaufen.

Die US-Bank JP Morgan steht stellvertretend für die mehrheitliche Ansicht seiner Zunft und behält derzeit eine neutrale Meinung für die Aktie bei. Das Kursziel wird von ihm mit 1650 Britischen Pence (19 €) festgelegt.

Die Schweizer Großbank UBS beließ die Einstufung für Shell nach den Quartalszahlen auf “Kaufen” und hält weiter ein Kursziel von 1800 Pence aufrecht. Man zeigte sich dort aber sehr überrascht von der drastischen Maßnahme einer um 66 Prozent gekürzten Dividende.

Unser Expertenurteil

Für Dividendenjäger war dieser Quartalsbericht und Ausblick eine Hiobsbotschaft. Experten konnten jedoch die Risiken längst erkennen und haben die Papiere deshalb schon im März dieses Jahres neu gepreist.

Langfristig halten wir Royal Dutch Shell für einen potenziellen Gewinner im Kampf um Marktanteile. Die Gewinne mit der Gas- und Ölförderung werden aber jahrelang hinter den Erwartungen herhinken. Dafür werden das Produktgeschäft und die Raffinerien eher überdurchschnittliche Margen aufweisen, weil sich sonst kaum noch neue Konzerne in den umkämpften Markt trauen und nur wenige eine so prall gefüllte Kriegskasse haben, wie der Royal Dutch Shell-Konzern.

Anleger sollten die Aktie aber nicht wegen ihres Dividendenpotenzials kaufen, sondern aufgrund der starken Marktstellung.

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Von Tenbagger

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