Dividenden satt zapfen, können Anleger jetzt bei Royal Dutch Shell (WKN: A0D94M), Gazprom (WKN: 903276) und Total (WKN: 850727). Die Aktien dieser Ölkonzerne bleiben trotz des Ölpreiscrashs enorme Coronavirus-Profiteure .

RAO Gazprom – ADR – (WKN: 903276 | ISIN: US3682872078)

Mit Gazprom der ist auch das weltweit größte Erdgasförderunternehmen von den jüngsten Ölmarkt-Turbulenzen hart getroffen worden. Allerdings sehen Marktbeobachter für sie den Vorteil, dass die Einbrüche beim Erdgasverbrauch in Zeiten der Corona-Krise milder verlaufen und der Markt sich robuster gibt als beim Erdöl. Dennoch hat die Gazprom-Aktie dasselbe durchgemacht wie die anderen Big Player im Energiesektor: Nach den letzten Kurshochs Anfang November 2019 (7,62 Euro) halbierte sich der Wert am 18. März 2020 auf 3,77 Euro. Seitdem erholen sich die Gazprom-Titel und es wird zuletzt wieder knapp ein Euro mehr je Stück an der Börse bezahlt.

Trotz allem scheint der Konzern auch in Corona-Krisenzeiten hochprofitabel bleiben zu können. Selbst wenn das böse Wort von einer “Dividendenkürzung” offiziell nicht in den Mund genommen wird, so ließ der russische Energieriese mitteilen, dass das Management eine Ausschüttung in Höhe von 15,24 Russische Rubel an die Investoren auszahlen möchte. Statt zuletzt von 16,61 Rubel Ausschüttung sprach man jetzt nur von einem “diesjährigen Vorschlag für die Hauptversammlung” in Höhe von 15,24 Russische Rubel, was 1,37 Russische Rubel weniger Dividende je Stück, oder “round about” 8,0 Prozent Kürzung bedeutet.

Dennoch: Die 15,24 Russische Rubel – unter dem Vorbehalt der Zustimmung – entsprechen weiterhin einer in dieser Branche beachtlichen Brutto-Dividendenrendite von über 8,0 Prozent.

Hinweis: In Deutschland werden die Titel der Gazprom als “ADRs” gehandelt und ein ADR-Anteil stellt praktisch zwei „normale“ Aktien dar. Damit verdoppelt sich die Dividendenauszahlung auf 30,48 Rubel (brutto), umgerechnet also 0,38 Euro je Anteil (ADR). Abzüglich einiger Gebühren und Steuern, haben ADR-Aktionäre zwar ein paar Nachteile, doch nehmen Anleger dies bei weiterhin langfristig intakten Dividendenaussichten sowie der ultragünstigen Bewertung durchaus in Kauf.

Neben der üppigen Dividendenrendite sollten Anleger aber vor allem die Perspektiven im Pipelinegeschaft mit Europa (Turk Stream, North Stream) und Asien (Power of Siberia) sowie das weitere LNG (Flüssiggas)-Exportgeschäft für Gazprom sehen.

Die aktuell auf historischen Tiefstständen verharrenden Ölnotierungen und der sehr niedrige Preis für LNG könnte mögliche Konkurrenten aus den USA in die Knie zwingen. Amerikanisches LNG wird es bei diesem Preisgefüge laut Branchenportal oilprice.com schwer haben, bisherige Liefermengen noch zu halten. Im Gegenteil: Es werden für den April in Europa sogar Einbrüche von bis zu 50 Prozent bei US-LNG erwartet. Diese könnten sich sogar als dauerhaft herausstellen, weil die Schieferöl- und Gasproduzenten aus den USA praktisch vor dem Nichts stehen und drastische Förderrückgänge befürchten lassen, was die Energieexportambitionen praktisch in Luft auflöst.

Gazprom selbst kann hier wegen der räumlichen Nähe seines Pipeline-Netzes sowie geringerer Förder- und Transportkosten mächtig gegenhalten. Die Chancen auf zusätzliche Marktanteile für die Zukunft stehen gut. Die geostrategische Marktposition zwischen dem Stammgeschäft in Westeuropa, den unter starkem Energiedefizit leidenden nordafrikanischen Absatzmärkten sowie dem aufstrebenden Markt in Asien, besonders China, versprechen Gazprom-Aktionären eine glänzende Zukunft.

Royal Dutch Shell (WKN: A0D94M | ISIN: GB00B03MLX29)

Nicht zuletzt die britisch-niederländische Royal Dutch Shell als eine der größten Mineralölkonzerne der Welt hatte im Zuge der jüngsten Ölmarkt-Preiseinbrüche sowie unter der Corona-Krise herbe Kursrückschläge hinnehmen müssen. Die Aktien des Öl-Riesen notieren aktuell bei 16,26 Euro. Das ist knapp die Hälfte des Kurses vom 21. Mai 2018 (31,40 Euro) nach Handelsschluss. Dennoch ist Marktbeobachtern in Bezug auf den mit zuletzt 388 Mrd. US-Dollar umsatzstarken Energieriesen nicht bange.

Großbanken-Analysten haben die Royal Dutch Shell mit ihren mächtigen Eigenkapital-Reserven von annähernd 164 Mrd. Euro  (Stand: 2019) zum “Kauf” (HSBC, UBS) oder mit “outperform” (JP Morgan) bewertet. Ihre immer noch riesige Marktkapitalisierung von rund 120 Mrd. Euro ist gegenüber den Konkurrenten kein Grund zur Sorge.

Im Gegenteil: Die enorme Größe und solide Kapitalausstattung sollte Shell auch durch diese neuerliche Ölmarkt-Krise helfen. Die in rund 70 Ländern an Explorations- und Förderprojekten beteiligte Shell wird als weltweit größter Vertreiber von Kraft- und Schmierstoffen über seine zahlreichen Joint Ventures mit internationalen Öl- und Gasunternehmen robust weitere Ölpreisschwankungen überstehen dürfen. Einen Totalverlust sollten die Anleger mit Aktien von Royal Dutch Shell nicht befürchten müssen. Wenn die großen Ferienflieger wieder abheben dürfen und sich Verkehr sowie Tourismus selbst unter neuerlichen Coronavirus-Auflagen beleben wird, könnte die Nachfrage wieder deutlich zurückkehren. Dann spricht viel dafür, dass Shell als einer der ganz großen Branchenakteure im Rahmen einer natürlichen Marktbereinigung zum Beispiel durch Insolvenz diverser US-Fracking-Ölunternehmen und anderer kleinerer Konkurrenten profitiert.

Ebenso dürften die zuletzt bekanntgegebenen umfangreichen Sparmaßnahmen positiv zu Buche schlagen. Der britisch-niederländische Öl-Riese hatte erst kürzlich seine laufenden Kosten um drei bis vier Mrd. US-Dollar senken sowie die Sachinvestitionen auf unter 20 Mrd. US-Dollar reduzieren wollen. Auch setzte Shell seinen Aktienrückkauf aus. Anleger mit langem Atem werden hier also “in einer Zeit nach Corona” – neben der Kurserholung und den Dividenden – auch von zahlreichen nachhaltigen ökologisch-ausgerichteten Zukunftsinvestitionen (Solar, Wind, “grüne Technologie”) des Öl-Riesen profitieren können.

TOTAL S.A. (WKN: 850727 | ISIN: FR0000120271)

Die Nummer Vier unter den “Big Five”, die französische Total, konnte sich trotz der jüngsten Turbulenzen an den Ölmärkten relativ robust halten. Zwar sind die Anteilscheine des globalen Mineralölkonzerns mit Hauptsitz in der Pariser La Défense von ursprünglichen Kurshochs exakt vor einem Jahr (24. April 2019) bei 51,17 Euro auf bis zu 20,76 Euro am 18. März 2020 abgestürzt. Dennoch erholen sich die Papiere seitdem wieder gut und notierten in den letzten Tagen deutlich im Plus bei zuletzt rund 32 Euro. Zum März-Tief immerhin eine 60-prozentige Aufwärtskorrektur.

Mit dazu beigetragen haben dürften auch die jüngsten Analysten-Kommentare, die dem weltweit viertgrößten Mineralölkonzern und achtgrößten Industrieunternehmen mit zuletzt jährlichen Umsätzen von 176 Mrd. US-Dollar “gute Noten” bescheinigten.

Die Großbanken- und Investment-Experten stuften den Öl-Riesen in den vergangenen Tagen mit “übergewichten” (JP Morgan), “outperform” (Credit Suisse – CS) sowie als “Kauf” (Jefferies, Goldman Sachs) ein.

Mit dazu beigetragen haben dürften die Tatsachen, dass Total wie Shell als global agierendes Unternehmen neben der Öl- und Gasförderung sowie deren Weiterverarbeitung und Vermarktung ziemlich diversifiziert aufgestellt ist. Nicht zuletzt werden auch die Investitionen in regenerative “grüne” Zukunftsenergien positiv gesehen. So gab Total erst kürzlich bekannt, im grenznahen Valenciennes sowie im Großraum Paris zukünftig die größten bodenverankerten Solaranlagen Frankreichs über eine 100-prozentige Tochtergesellschaft (Total Quadran) betreiben zu wollen. Interessiert beobachten Anleger zudem immer wieder Total’s Offshore/Onshore-Engagement in Afrika, das noch große Potenziale birgt.

Zuletzt hat die CS für die Total S.A. Kursziele von 47 Euro ausgerufen. Dessen Analyst Thomas Adolff machte keinen Hehl daraus, dass für ihn unter den großen europäischen Ölkonzernen die Total sein Favorit ist. Der Experte hob in der Studie der Schweizer Großbank die robuste Bilanz und die im Branchenvergleich sehr niedrige Gewinnschwelle hervor.

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Von Tenbagger

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