Do. Aug 18th, 2022

London (www.tenbagger-report.de) – Letzten Sommer wurde mit dem Börsengang des Fleischersatz-Produzenten Beyond Meat (NASDAQ: BYND – WKN: A2N7XQ), dem Konkurrenten der Metzger-Aktie Tyson Foods (NYSE: TSN – WKN: 870625), ein regelrechter Hype gestartet. Doch am Ende stürzte die Aktie ab, weil die Bewertung der Aktie im totalen Missverhältnis stand, zu dem was das Unternehmen operativ leistete. Jetzt versuchte das Unternehmen seine Kritiker zu überzeugen, mit dem ersten profitablen Quartal in seiner Geschichte.

Beyond Meat macht Gewinn und übertrifft damit alle Erwartungen

Die Aufmerksamkeit mit dem Börsengang und starke Partner-Deals, sorgten für einiges Momentum, das vom Management offenbar genutzt wurde.

Insgesamt stieg der vierteljährliche Nettoumsatz von Beyond Meat um 141 Prozent auf 97 Millionen US-Dollar.

Obwohl dieser Anstieg in deutschen Medien gefeiert wurde, war es dennoch das langsamste Wachstum seit über einem Jahr. Gleichwohl übertraf man die Schätzung der Wall Street Analysten deutlich, die bei einem Umsatz von 88 Millionen US-Dollar lagen. Der Nettogewinn belief sich im 1. Quartal, auf 1,8 Millionen US-Dollar oder 3 Cent pro Aktie, verglichen mit einem Nettoverlust von 6,6 Millionen US-Dollar oder 95 Cent pro Aktie im Vorjahr. Analysten rechneten auch hier im Durchschnitt noch mit einem Verlust von 7 Cents pro Aktie.

Ausblick verdüstert sich dennoch immer weiter

Obwohl es einzelne Absatzkanäle gab, die das Wachstum stützten, musste Beyond Meat trotzdem einige Rückschläge zu Beginn des 2. Quartals wegstecken.

Der Vorstandsvorsitzende von Beyond Meat, Ethan Brown, teilte am Dienstag gegenüber Reuters mit, dass die Umsätze im Bereich Food Service im März um etwa 23% unter den Erwartungen des Unternehmens lagen, während die Umsätze im Einzelhandel um 12% gestiegen sind.

Wettbewerber wie Hershey, Kellogg und Mondelez International, haben in ihren jüngsten Quartalsberichten allesamt auf die Schwäche ihres Food-Service-Geschäfts hingewiesen, die sich aber erst ab Sommer zeigen wird, wenn die Quartalszahlen für das sehr viel schwächere 2. Quartal vorgelegt werden müssen.

Wie die meisten Lebensmittelunternehmen haben wir die Auswirkungen zu spüren bekommen, aber sie destabilisieren das Unternehmen keineswegs.

Herr Brown, CEO Beyond Meat

Relativ bessere Marktpositionierung in der Vegetarier-Nische

Viele Marktbeobachter weisen daraufhin, dass Beyond Meat besser positioniert sei, in seiner Marktnische und als relativer Sieger davon profitieren könnte, weil es in der US-Fleischversorgung in jüngster Zeit zu ersten Engpässen kam, die für einen scharfen Anstieg der Fleischpreise sorgten. Magerschwein an den Terminbörsen in Chicago verteuerte sich in kurzer Zeit um 20 Prozent.

Fleischpreise steigen rasant wegen des Coronavirus

Obwohl die Rinder und Schweine zurzeit praktisch vor den Eingängen der Schlachtbetriebe Schlange stehen und sich wundern, warum es nicht vorwärts geht, konnte das Beynond Meat bisher wenig anhaben. In der Fleischproduktion kommen immer mehr US-Schlachtbetriebe, wegen des Coronavirus in Bedrängnis und mussten ihre Produktionskapazitäten drosseln. Bei den Bauern hingegen besteht das Problem darin, noch Platz für Lebendrinder und Schweine zu finden, weil ihre Ställe überfüllt sind.

Erste Abtreibungswelle bei Säuen

Die Nachrichtenagentur Reuters meldete vor Kurzem sogar, dass die Schweinezüchter bei Säuen abtreiben lassen.

Branchenführer räumen ein, dass die US-Nahrungsmittelkette selten so stark beansprucht wurde und dass sich niemand über die Zukunft sicher ist, auch wenn sie versuchen, die Besorgnis über Knappheit zu zerstreuen.

Am Sonntag schaltete der Fleischverarbeitungsgigant Tyson Foods eine ganzseitige Anzeige in der New York Times und anderen Zeitungen, in der er die Schwierigkeiten bei der Fleischproduktion bei gleichzeitiger Sicherheit von mehr als 100.000 Beschäftigten und der Schließung einiger Betriebe darlegte.

Das bedeutet vor allem eines – die Lebensmittelversorgungskette ist anfällig hieß es in der Erklärung. Da die Schweine-, Rind- und Hühnerfleischbetriebe gezwungen sind, selbst für kurze Zeiträume zu schließen, werden Millionen Pfund Fleisch aus der Versorgungskette verschwinden.

Tyson Foods Presse-Meldung in der New York Time

Trotzdem stehen die Preise für rohes und verarbeitetes Fleisch immer noch sehr nahe an sehr markanten Mehrjahrestiefs und insofern bietet Beyond Meat hier mit seinen Ersatzprodukten noch keine wirkliche Alternative für preisbewusste Verbraucher, die noch keine Vegetarier oder Veganer sind.

Beyond Meat wirklich beliebt? Wir machten den großen Test

Einer nicht repräsentativer Prüfung des Autors, im nächstgelegenen Kaufland, in einer deutschen Kleinstadt, hielt die Erfolgsstory von Beyond Meat nicht Stand und brachte ein ernüchterndes Bild, das eher gegen die von deutschen Medien gerne verbreitete These spricht, wonach die fröhlichen Verbraucher, sich immer mehr fleischlos ernähren wollen und unter denen Beyond Meat Produkte angeblich ein Hit sein sollen.

Tatsächlich stapelten sich in unseren besuchten Filialen mehrerer deutscher Supermärkte, die Tiefkühlkost von Beyond Meat bis zur Decke des Gefrierschranks und gefühlt 90 Prozent der Kunden liefen achtlos vorbei und einzelne schüttelten beim Blick auf die horrenden Preise nur ungläubig mit dem Kopf, lachten laut und wechselten dann zur Fleischtheke.

Beyond Burger stapeln sich und scheinen in den Regalen zu verstauben

In einem großen deutschen Supermarkt, sind Beyond Meat Burger immer noch unangetastete Sonderware, die sich in den Regalen stappeln.

Ob dieser Burger, die sich im Groß- und Einzelhandel stapeln, auch schon im Umsatz berücksichtigt wurden, was wir annehmen würden, dürften zumindest das Folgegeschäft in den nächsten Quartalen schwerer werden lassen.

Uns scheint, dass dieses Produkt eher bei Vegetariern oder Veganern Anklang findet und selbst von dort hörten wir auch negative Stimmen, weil die Beyond Meat Burger, wegen einiger künstlicher Inhaltsstoffe kritisch beäugt wird.

Beyond Meat Hype oder Beginn eines neuen Megatrends?

Die Aktionäre werden sich bei Beyond Meat noch lange streiten, inwieweit ein jährlich erwarteter Umsatz von unter 500 Millionen US-Dollar, an der Schwelle zur Profitabilität zur gegenwärtigen Marktkapitalisierung passt?

Es entspricht einem KUV (Kurs-/Umsatz-Verhältnis) von 15 und traditionelle Fleischer-Aktien bzw. Hersteller und Verarbeitungsbetriebe für Fleischprodukte, wie Tyson Foods, werden zurzeit eher mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,5 bewertet, obwohl die Kernprofitabilität dort in den letzten Jahren rasant zugenommen hatte.

Allerdings ist auch dort die Frage zu stellen, was zur hohen Profitabilität führte und ob nicht die Massenproduktion und Enge in den Produktionsbetrieben, die zur Ansteckung der gering bezahlten Mitarbeiter führte generell ein Problem ist, das in den nächsten Monaten und Jahren zu einer Eintrübung der Rentabilitätswerte führen könnte.

Gleichwohl scheint uns die Diskrepanz der Bewertungsverhältnisse zwischen traditionellen Nahrungsmittelproduzenten und der hippen, aufstrebenden Beyond Meat doch zu hoch und auch bei Beyond Meat ist in den kommenden Jahren ein Wettbewerbs- und Margendruck wohl kaum zu vermeiden.

Jedenfalls wird Beyond Meat wohl eher kein Tenbagger-Kandidat werden, während Tyson Foods zurzeit aufgrund des zyklischen Rücklaufs eher nach einer gesunden Rebound-Chance aussieht, bei der Investoren eine gesunde Dividende erwarten können und mit einem normalisierten KGV von 8 – unter der Voraussetzung eines Endes der Coronavirus-Krise, sogar richtig preiswert wirkt, ähnlich wie das Angebot ihrer Schweinerippchen, die gut und günstig auf den Start der Grillsaison warten.

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Von Tenbagger

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